Was kann ich tun? - UNSECO-Projekttag zum Thema „Schau hin - Misch dich ein!“
Riesengedrängel vor dem Haupteingang – so leicht kommt man als Unterstufenschüler am Morgen des 16. Februars nicht ins Hans und Sophie Scholl-Gymnasium, denn zunächst heißt es warten, bis einen die Kontrolleure an der Tür einlassen.
Hinter der schweren Eingangstür stehen drei Tische mit jeweils zwei Lehrern besetzt, bei denen man sich zunächst registrieren lassen muss, ehe es dann weiter zu einem kleinen Sprachkurs geht. Alles ist fremd, alles ist auch etwas angsteinflößend: Werde ich etwas verstehen? Kann ich in der fremden Sprache nach etwas Essbarem fragen? Wie geht es weiter? So müssen sich die Menschen auf der Flucht fühlen, wenn sie zu uns kommen....
Drei Stockwerke darüber sitzen drei nervöse junge Menschen aus Pakistan, Syrien und Eritrea in Klassenräumen und warten auf die ersten neugierigen Mittelstufenschüler, denen sie gleich etwas über ihr Leben hier in Deutschland erzählen wollen:
Ali ist siebzehn Jahre alt und kommt aus Pakistan. Er ist seit vier Monaten in Ulm, wo er in einer betreuten Wohngemeinschaft mit anderen jungen Flüchtlingen wohnt, und geht in die Vorbereitungsklasse in die Meinloh-Schule. Sein Deutsch ist schon recht gut – und es wird im Verlauf dieser 90 Minuten, in denen drei verschiedene Schülergruppen die Gelegenheit haben ihn kennen zu lernen, immer sicherer. Das Wichtigste für ihn ist es eine gute Ausbildung zu bekommen. Automechaniker will er gerne werden und in Deutschland bleiben. Kochen kann er auch gut. Aber er hat noch nie deutsches Essen gegessen – doch: Döner!
Seine Mutter vermisst er, mehr Persönliches berichtet er nicht. Viel erzählt er von seiner pakistanischen Schule mit bis zu 60 Schülern in der Klasse und von den Sportarten, die er mag.
Jeder Zuhörende wird sich im Laufe dieses Gesprächs irgendwann einmal bewusst, wie schwer es diese Jugendlichen haben- ohne Familie, ohne Heimat – und wie wenig selbstverständlich es ist, dies alles zu haben.
In den nächsten drei Schulstunden übernehmen die Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe den Unterricht: sie haben sich interessante Themen passend zum Projekttag ausgesucht und spannende Unterrichtsstunden für "Schüler unterrichten Schüler" vorbereitet.
Seyda und Larissa stehen entspannt vor der 7b. Sie halten ihre Stunde zu Nelson Mandela auf Englisch. Es gibt viele Informationen zu diesem herausragenden Politiker und ein Quiz am Ende, dazu viele Bilder, die die Lebensstationen des Friedensnobelpreisträgers zeigen – die Klasse ist mit Feuereifer dabei und für alle ist dies eine tolle Erfahrung.
Sebastian und Alex erklären der Klasse 9a Grundlegendes zur Flüchtlingsproblematik, ebenfalls auf Englisch: Flüchtlingsursachen, Flüchtlingsrouten und die Probleme bei der Ankunft werden anhand von gut ausgewähltem Material erläutert. Auch hier ist die Beteiligung der Klasse sehr gut und am Ende haben alles das Gefühl etwas gelernt zu haben.
Mit einem Besuch in der Volkshochschule beginnt für die achten Klassen einer der letzten Programmpunkte eines nicht alltäglichen Tages. Dort lernen sie nicht nur den Ulmer Weltladen näher kennen, sie erfahren auch, wie sie sich auf regionaler Ebene politisch engagieren können. Im Anschluss beschäftigen sie sich mit der Flüchtlingsthematik und notieren auf Sprechblasen ihre Gedanken zu den Überschriften: „Man müsste...“ und „Ich könnte...“, die anschließend im Schulhaus aufgehängt werden.
In der Martin-Luther-Kirche nimmt die Unterstufe währenddessen an einer Lesung über Sophie Scholl von Maler und Schriftsteller Michael Döhmann teil. Dieser ist als Künstler tätig und hat bereits fünf Bücher veröffentlicht.
Die Oberstufe besucht zum Abschluss ihres Projekttages das Roxy. Dort findet ein Konzert der Gruppe „Strom & Wasser“ statt, die mit einer interessanten Mischung unterschiedlicher Genres und anspruchsvollen Texten auf die Probleme der Flüchtlinge aufmerksam machen wollen. Die Gruppe ist über 7000km durch das Land geradelt – um mit Musikern aufzutreten, die sie in deutschen Flüchtlingsheimen getroffen haben. Begleitet werden sie dieses mal von zwei afrikanischen Musikern aus Ghana: einem Trommler und einem Rapper, die mit einer bemerkenswerten Leidenschaft auf der Bühne stehen. Neben den kritischen Texten gehen auch die Rhythmen allen ins Blut.
Regine Schöttge & Sebastian Merkle (KS1) PAG