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Demokratie ist alternativlos - UNESCO-Projekttag am Hans und Sophie Scholl-Gymnasium

Als eine der etwa 300 bundesweiten UNESCO-Projektschulen nimmt das Hans und Sophie Scholl-Gymnasium aus Ulm seit 2008 an der Ausrichtung des Internationalen Projekttags der UNESCO-Projektschulen teil, der 1996 im Gedenken an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ins Leben gerufen wurde. Am 5. März beschäftigte sich die Schulgemeinschaft unter dem Motto „DemokratIch“ einen ganzen Tag mit dem Thema Demokratie.

 

Um allen Schülerinnen und Schülern einen altersgerechten Zugang zur Thematik zu ermöglichen, nahm jede Klassenstufe an einem individuellen Programm teil, wobei jedes dasselbe Ziel verfolgte: Die Schülerinnen und Schüler sollten ein facettenreiches Bild demokratischen Handelns erhalten. Und so kamen insgesamt über 70 unterschiedliche Programmpunkte zusammen.

Den ersten Gedankenanstoß erhielten die Klassen fünf bis zehn in einer demokratischen Abstimmung: es sollte ein Ziel für einen fingierten Wandertag bestimmt werden, den die Stadt Ulm mit jeweils 500 Euro bezuschussen würde. Viele interessante Ziele wie ein Ausflug in die Allianz-Arena in München standen hier zur Auswahl. Direkt nach der Wahl jedoch folgte die Ernüchterung: über eine Durchsage erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass die Zuschüsse für andere Zwecke verwendet werden und damit war allen schnell klar, worin die Grenzen einer Mitbestimmung liegen können. In Umfragen wurde anonym über den beliebtesten und unbeliebtesten Lehrer abgestimmt oder in Listen Sozialpunkte an Mitschüler vergeben. Hinterher wurde allerdings in einer Simulation öffentlich gemacht, von wem welcher Wahlzettel stammt oder heimlich mitgeschnittene Tonaufnahmen der Schülergespräche, die während des Ausfüllens entstanden sind, vorgespielt. Wie leicht eine Wahl damit manipuliert werden kann, wurde so mehr als offensichtlich.

Für die Kursstufen sah der Start in den Projekttag ein wenig anders aus: Mehrgan Aamoon, ein afghanisches Mädchen aus der achten Klasse, erzählte in englischer Sprache aus ihrer Kindheit, die sie in der islamischen Republik verbrachte. Ihr Bericht über das Frauenbild und den äußerst schwierigen Weg zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen in ihrem Geburtsland beeindruckte tief: Sie setzte sich selbst aktiv gegen die Frauendiskriminierung an ihrer Schule in Afghanistan ein, protestierte und provozierte, oftmals alleine und gegen die Haltung ihrer Lehrerinnen und Lehrer, sogar gegen die ihrer eigenen Mutter. Heute ist sie froh in Deutschland zu sein, möchte allerdings nicht aufhören über weltweite Frauendiskriminierung aufzuklären und dagegen zu kämpfen. Anschließend informierte Nalan Schmidt vom Stadtjugendring Ulm e.V. die Jugendlichen anhand vieler Beispiele über ihre Arbeit und wie die Ansichten und Interessen der Jugendlichen vor dem Ulmer Gemeinderat und dem Oberbürgermeister vertreten werden können.

Im zweiten Teil des Projekttages nahmen die Schülerinnen und Schüler selbst das Zepter in die Hand: Viele aus der Oberstufe hatten für ihre Mitschüler Unterrichtsstunden vorbereitet. Am Scholl-Gymnasium nennt man dieses Format „Schüler unterrichten Schüler“. Seit vielen Jahren ist dieses ein zentraler Bestandteil des UNESCO-Projekttags der Schule. Die Themen der Stunden, die von „Streitschlichtung“, „Demokratie in der Familie“, „Demokratie, Datenschutz und Transparenz“, „Einfluss der Medien“, „Regierungssysteme im Vergleich“, „Partizipation in der Demokratie“ bis hin zu „Organspende - Eine freie Willensentscheidung?“ reichten, fügten sich dabei nahtlos in das Ganze des Projekttages ein und ergänzten die Rahmenpunkte, die von den Lehrerinnen und Lehrern gesetzt wurden. Unter diesen befinden sich auch drei der Organisatorinnen des Tages: Nina Mühleisen, Sina Tummes und Andrea Fittkau: „Die Fülle und Breite der gewählten Themen ist schon beeindruckend“, konstatiert Sina Tummes den jungen Akteuren. Amelie Hagenlocher und Laura Selig aus der Kurststufe 1 hatten das Thema „Wiederaufblühender Rechtsextremismus in Deutschland“ vorbereitet. „Ihre“ Schüler aus der Klasse 10d arbeiteten mit Texten zu und von unterschiedlichen rechtsextremistischen Gruppierungen und erschlossen sich so und in anschließenden Diskussionsrunden die Beweggründe für Menschen, die sich für rechtes Gedankengut begeistern lassen. „Uns geht es in keiner Weise darum diejenigen Personen, die sich von rechten Ansichten begeistern lassen, zu beschimpfen, als vielmehr die wirklichen Probleme zu lösen“, ergänzte Laura Selig.

Zum Abschluss des Tages setzten sich ein Teil der Fünftklässler spielerisch mit dem Thema Kinderrechte auseinander, andere durften an einem Workshop mit Nikola Poitzmann, Trainerin für gewaltfreie Kommunikation teilnehmen. Die Schülerinnen und Schüler der siebten Klassen konnten sich künstlerisch ausleben: große Äste wurden bemalt, mit bunten Farben und Mustern verziert. An diesen „Freiheitsbäumen“, die im Schulhaus aufgestellt wurden, befestigten die Siebtklässler Transparente, auf denen sie Gesetze und Grundrechte notiert hatten. Nalan Schmidt konnte die achten Klassen für ihre Arbeit im Rahmen von „Jugend aktiv in Ulm“ begeistern und zeigte viele Möglichkeiten auf, um Ulm selbst aktiv mitzugestalten.

Die neunten Klassen besuchten zu ihrem Abschluss Einrichtungen der AG West, einer Vereinigung freier, kirchlicher und städtischer Gruppen, die sich die Förderung der Jugendhilfe, der sozialen Arbeit und der Bildungsarbeit in der Weststadt und Söflingen als Ziel gesetzt haben. Dort war es im Kaufhaus „Siegle“, dem „Sieste“, dem „Café Blau“ oder beim „Verein für körperbehinderte Jugendliche“ und der UNICEF möglich bürgerschaftliches Engagement, das meist ehrenamtlich erfolgt, vor Ort kennen zu lernen.

Eine Podiumsdiskussion im Alten Theater bildete den Höhepunkt des Projekttages für die Zehntklässler und die Kursstufen. Die sieben Teilnehmer Jonas Rau, Gewinner von „Jugend debattiert“ aus der Kursstufe 1, Oliver Schmidt, Sprecher von „Fridays for future Ulm“, Tobias Miltenberger, Imker sowie Initiator und Sprecher des Volksbegehrens Artenschutz – „Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg, Norbert Lins, Mitglied der CDU und Abgeordneter des Europäischen Parlaments, Lothar Heusohn, ehemaliger Fachbereichsleiter für Politik, Gesellschaft und Umwelt an der vh Ulm, Birgit Schäfer-Oelmayer, parteilos und ehemalige Ulmer Stadträtin sowie Martin Rivoir, Mitglied der SPD und Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, diskutierten über die Bedeutung der Demokratie für Deutschland. Constanze Schillinger und Stefanie Vavitsa aus der Kursstufe hatten die Fragen an die Diskutierenden vorbereitet und führten souverän durch die Runde. Und so konnten viele der Themen angesprochen werden, die Deutschland in den vergangenen Monaten bewegten: darunter waren die Sorgen um die Zunahme rechtsextremistischer Gewalttaten, der Umweltschutz, aber auch die Möglichkeit zur politischen Aktivität von Jugendlichen. Natürlich konnten zum Schluss aus dem Plenum auch noch Fragen an die Runde gestellt werden. Lothar Heusohn schloss mit den Worten „Demokratie ist alternativlos“. Einer der jungen Zuhörer ergänzte: „…aber nicht selbstverständlich!“ Die Schülerinnen und Schüler erlebten die Bedeutung dieser Worte an diesem Projekttag mehr als eindrucksvoll und nachhaltig.

 

Paul Eberhardt, KS1, PresseAG

Bilder: FotoAG

 

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Projekttag (19)

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            1 bis 27 Auftaktveranstaltungen und „Schüler unterrichten Schüler“

           

            28 bis 32 Abschlussveranstaltung Jgst. 10 bis KS2: Podiumsdiskussion

            28: (v.l.n.r.) Nina Mühleisen, Jonas Rau (KS1), Oliver Schmid („Fridays for future

                  Ulm“), Birgit Schäfer-Oelmayer (ehem. Stadträtin), Stefanie Vavitsa und

                  Constanze Schillinger, Sebastian Kempf, Norbert Lins (CDU),

                  Lothar Heusohn (vh Ulm), Martin Rivoir (SPD) und Tobias Miltenberger

                  („Rettet die Bienen“ BW)

            32: Norbert Lins (CDU, l.) und Martin Rivoir (SPD, r.) mit Constanze Schillinger

                  und Stefanie Vavitsa

 

            33 bis 39 Abschlussveranstaltung Jgst. 5 bis 9

 

            40 bis 44 Referenten

            40: Merghan Aamoon (Mitte) mit Schulleiterin Karin Höflinger-Schwarz (l.)

                  und Lehrerin Andrea Mark

            41: Nalan Schmidt, Stadtjugendring Ulm e.V. (l.) mit Mitarbeitern

            42. Nikola Poitzmann, Trainerin für gewaltfreie Kommunikation (l.)