„Perücke, Kopftuch, Ordenstracht“ - Die Klasse 10a und die Foto-AG präsentieren „Aus meiner Sicht“ im Stadthaus
Im Ulmer Stadthaus wurde am 4. Juni die Ausstellung „Perücke, Kopftuch, Ordenstracht“ eröffnet. Damit wirft das Stadthaus einen neugierigen Blick auf die Formen der weiblichen Kopfbedeckungen im Islam, Christentum und Judentum, denen - jeder auf ihre Art - eine Vorstellung von weiblicher Sittsamkeit gemein ist, die mit einer Verhüllung körperlicher Reize einhergeht. Drei miteinander im Dialog stehende Teile bilden die Ausstellung: „Cherchez la femme“, eine Übernahme aus dem Jüdischen Museum Berlin, „Aus meiner Sicht“, ein Projekt des Stadthauses mit der Klasse 10a und der Arbeitsgemeinschaft Fotografie des Ulmer Hans und Sophie Scholl-Gymnasiums, sowie „En attendant l'Eternité“, eine Fotoserie von Laurence von der Weid.
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, erst vor Kurzem 70 Jahre alt geworden, „beinhaltet das Recht seine Religion frei ausleben zu dürfen“: Bürgermeisterin Iris Mann, zuständig für die Fachbereiche Kultur, Bildung und Soziales betonte in ihrem Grußwort vor den zahlreichen Gästen, unter denen sich auch Künstler und einige der für den Teil „ Aus meiner Sicht“ interviewten Frauen befanden, mit dem Hinweis auf diesen Geburtstag die Bedeutung der Ausstellung im Hier und Jetzt.
Ob Religion als Privatsache, ob Kopfbedeckung als Zeichen religiöser oder kultureller Eigenart, ob liberale oder orthodoxe Jüdinnen, säkulare Christinnen oder Angehörige einer Ordensgemeinschaft, konservative oder Kulturmusliminnen - Frauenstimmen aller Richtungen finden in „Cherchez la femme“ Beachtung. „Die Ausstellung plädiert“, so Miriam Goldmann, Kuratorin des Jüdischen Museums Berlin, die zur Eröffnung extra nach Ulm gereist war, „für Neugier und Selbstbestimmung, gegenseitiges Kennenlernen und Respekt.“ Gezeigt werden Videos, Skulpturen, textile Objekte und Fotografien zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie Nilbar Güreș, Rozbeh Asmani, Mandana Moghaddam, Andi Arnovitz und Sigal Adelman sowie Kopfbedeckungen aus den Beständen des Jüdischen Museums Berlin.
In Teil zwei der Ausstellung präsentiert der Schweizer Künstler Laurence von der Weid seine Fotoserie aus dem Benediktiner-Kloster St. Johann im Val Müsta. Über zehn Tage begleitete er die Benediktinerinnen. Damit gelang es ihm einen tiefen Einblick in deren Leben zu geben.
Für den dritten Teil der Ausstellung haben Schülerinnen und Schüler des Ulmer Hans und Sophie Scholl-Gymnasiums Ulmer Musliminnen, Christinnen und Jüdinnen interviewt. Hierfür erarbeitete die Klasse 10a im Unterricht von Lehrer Frank Mittelsdorf die Fragen. In kleinen Teams wurden dann die Interviews mit den Frauen geführt und dabei filmisch deren jeweilige Haltung zu der Frage der Haarbedeckung beziehungsweise zum unbedeckten Haar dokumentiert. Die Aufnahmen wurden anschließend geschnitten und für die Ausstellung aufbereitet. Dort sind sie nun auf Tabletts oder über mobile Geräte unter youtube abrufbar. Die Schülerinnen und Schüler aus der Arbeitsgemeinschaft Fotografie unter der Leitung von Markus Lenz porträtierten die Frauen. Für die jungen Fotografen war es besonders wichtig, „den Charakter der porträtierten Person einzufangen“, so Paul Eberhardt aus der Foto-AG, „beim Fotografieren konnten die Frauen auch die Umgebung selbst auswählen. Mir war es wichtig, dass der Betrachter des Bildes die fotografierte Person und nicht den Fotografen dahinter erkennt.“ „Bemerkenswert ist,“ so Iris Mann, „dass die Porträts der Schüler und die Arbeiten der Künstler miteinander gehen.“
„Aus meiner Sicht“ findet insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Bildungsprojekt der Südwest Presse „Wir Lesen“ statt, wird von der Stadt Ulm und von der Stiftung Landesbank Baden-Württemberg gefördert sowie von der Koordinierungsstelle „Internationale Stadt“ der Stadt Ulm unterstützt. Diese wird gefördert durch die Engagement Global GmbH im Rahmen des „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“-Programms mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Der Besuch im Stadthaus lohnt sich, da der Besucher einen Blick auf die Vielfalt der Religionen und Kulturen werfen kann, den die Macherinnen der Ausstellung, Stadthausleiterin Karla Nieraad, Andrea Kreuzpointner und Leonie Schmucker durch die Symbiose der drei Teile auf eine äußerst interessante und originäre Art und Weise ermöglichen.
„Perücke, Kopftuch, Ordenstracht“ läuft noch bis zum 8. September. Der Eintritt ist kostenlos.
Paul Eberhardt, Tim Fröhlich (beide 10d) & Laura Kraus (9a) PAG / FAG
Weitere Informationen, Berichte sowie die Interviews finden Sie unter:
https://stadthaus.ulm.de/peruecke-kopftuch-ordenstracht
https://www.ulm-news.de/weblog/ulm-news/view/dt/3/article/69729/imageId/1122625
Bilder 1-6 Gruppenbild mit den jeweils interviewten Frauen, den Schülern aus der 10a, sowie den fotografierenden Schülerinnen und Schülern der Arbeitsgemeinschaft Fotografie (meist mit Andrea Kreuzpointer und Leonie Schucker (Stadthaus))
Bild 1 …mit Helga Malischewski
Bild 2 …mit Tetyana Grinman
Bild 3 …mit Kübra Terzi
Bild 4 …mit Hanna Münch
Bild 5 …mit Sr. Elisa Kreutzer
Bild 6 …mit Dorothea Mayer, Renate Wolf und Maria Zanner
Bilder 7-15 Bilder von der Vernissage am 4. Juni im Stadthaus Ulm
Bild 7 „Aus meiner Sicht“ – Porträts der Arbeitsgemeinschaft Fotografie:
Druck auf Stoff in Lebensgröße
Bild 8 „Aus meiner Sicht“ – Porträts der Arbeitsgemeinschaft Fotografie:
Druck auf Stoff in Lebensgröße
Bild 9 Tim Fröhlich (l.) und Paul Eberhardt vor „ihrem“ Porträt von Kübra Terzi
Bild 10 und 11 Ausstellung „Cherchez la femme“
Bild 12 Schüler der Foto-AG zusammen mit Bürgermeisterin Iris Mann (l.) und Helga Malischewski
Bild 13 und 14 Schüler der FotoAG
Bild 15 (v.l.n.r.) Markus Lenz (Leiter der Arbeitsgemeinschaft Fotografie am Scholl-Gymnasium), Andrea Kreuzpointner (Stadthaus Ulm) und Frank Mittelsdorf (betreuender Lehrer für die Erstellung der Fragen für die Interviews)