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IN MEMORIAM Hans und Sophie Scholl

 

 

Presseartikel der Klasse 8a:

 

"Aber … was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen  aufgerüttelt und geweckt werden" (Sophie Scholl)

 

Das Hans und Sophie Scholl-Gymnasium gedenkt seiner Namensgeber

 

In diesem Jahr jährt sich zum 75. Mal der Todestag der Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose, unter ihnen die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Das Gedenken wird nicht einfacher. Viele Zeitzeugen leben nicht mehr oder sind zu gebrechlich, um ihr Wissen über die Nazidiktatur und ihre Erfahrungen persönlich an die junge Generation weiterzugeben. Die Gedenktage, regelmäßig  wiederholt, drohen in ritualisierten Abläufen zu erstarren. Zugleich ist aber gerade heute, in Zeiten von wiedererstarkenden autokratischen Systemen und zunehmendem Nationalismus, ein Erinnern an die Menschen, die unerschrocken für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintraten, wichtiger denn je. Daher hat es sich unsere Schule zum Ziel gesetzt, mit vielfältigen Projekten und Aktionen „aufzurütteln“:  Eine lebendige, Herz und Verstand ansprechende Auseinandersetzung mit den Motiven und Zielen der Weißen Rose sollte die unveränderte Bedeutung der Widerstandsgruppe vermitteln und zu einer Reflexion des eigenen Handelns in der heutigen Zeit anregen.

 

REDE DER SCHULLEITUNG UND ANDACHT

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir gedenken heute der Ermordung der Namensgeber unserer Schule Hans und Sophie Scholl. Ich sage mit Absicht Ermordung. Ermordet von Handlangern einer zutiefst menschenverachtenden Staatstyrannei. Die Geschwister Scholl und mit ihnen weitere Vertreter der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" haben es nicht hingenommen, dass Menschenwürde, Freiheit, der christliche Glaube und Sittlichkeit mit Füßen getreten werden. Sie hielten es für ihre Pflicht zum Widerstand gegen das Hitler-Regime aufzurufen und vertrauten auf die Macht der Worte. Das haben sie mit ihrem Leben bezahlt.

Ich bewundere den Mut und die Bedingungslosigkeit, mit der sie sich für ihre Ideale von Staat und Gesellschaft eingesetzt haben.

Es schmerzt mich aber auch sehr, wenn ich daran denke, dass Eltern ihre Kinder, Geschwister den Bruder und die Schwester, Mitstreiter die Freunde auf so unsinnige Weise verloren haben.

Was hätten Sie für ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung führen können.

Heute vor 75 Jahren wurde es gewaltsam und unrechtmäßig beendet.

Ich bitte euch nun alle aufzustehen für eine Schweigeminute:

Wir denken heute an die ermordeten Namensgeber unserer Schule, ebenso an Christoph Probst, der mit ihnen an demselben Tag hingerichtet wurde.

Ich schließe die Schweigeminute mit den Worten von Christoph Probst.

"Über Geist und Seele kann niemand bestimmen, sie bleiben immer frei."

Gebt diesem Tag die Würde und tragt hinaus, was Hans und Sophie und all den anderen wichtig war, so wichtig, dass sie auf ihr Leben keine Rücksicht nahmen.

Ich wünsche euch viele gute und stille Momente am heutigen Tag.

Karin Höflinger-Schwarz

 

»Was hätten sie für ein Leben führen können!«

 

Einige Minuten vor der großen Pause ließ eine über Lautsprecher verbreitete Ansprache der Schulleiterin uns im Unterrichtsgeschehen innehalten. Karin Höflinger-Schwarz betonte, wie sehr sie die Taten der Weißen Rose bewundere. Allerdings sagte sie ebenfalls: „Es schmerzt mich aber auch sehr, wenn ich daran denke, dass Eltern ihre Kinder, Geschwister den Bruder und die Schwester und Mitstreiter die Freunde auf so unsinnige Weise verloren haben. Was hätten sie für ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung führen können.“

Sie beendete ihre Rede mit den Worten von Christoph Probst: „Über Geist und Seele kann niemand bestimmen. Sie bleiben immer frei.“

 

Nach der Pause versammelten sich die Schüler zu einer ökumenischen Andacht im Musiksaal, die von Oberstufenschülern unter der Leitung der Lehrer Andrea  Mark und Jürgen Kordon gehalten wurde.

Hier konnte man zur Ruhe und Besinnung kommen und darüber nachdenken, was die Weiße Rose bewirkt hat. Zu Beginn wurde ein Lied gesungen, das von Dietrich Bonhoeffer – ebenfalls Widerstandskämpfer und Opfer des Hitlerregimes – stammt und dessen Titel die aufrechte Haltung und Zuversicht von Hans und Sophie Scholl auch im Angesicht des bevorstehenden Todes erklären mag: „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Anschließend informierten die Oberstufenschüler über das Leben und Wirken der Scholl-Geschwister. Es folgten das Vaterunser und Fürbitten, die vor allem dem Wunsch gewidmet waren, dem Geist und Vorbild der Namensgeber unserer Schule auch in der heutigen Zeit gerecht zu werden. In einer von Klavierspiel begleiteten Schweigeminute schrieben die Schüler ihre Gedanken zur Weißen Rose auf, zum Beispiel „Wir sollten alle den Mut haben und wenigstens versuchen, für das einzustehen, was uns etwas bedeutet.“

 

 

 

GESCHICHTSLEHRER AUS KLASSE 8 

 

»Wir sind stolz, dass unsere Schule diesen Namen trägt.«

 

Anlässlich des Gedenktages haben vier Schülerinnen und Schüler der 8a eine Unterrichtsstunde und einen kleinen Film über die Geschwister Scholl für ihre jüngeren Mitschüler aus der 6a vorbereitet. Die Stunde begann mit einem Brainstorming, zu dem die Klasse, welche bereits die Ausstellung über die Weiße Rose in der Martin-Luther-Kirche besucht hatte, einiges beitragen konnte.  Danach berichteten die Achtklässler, unterstützt durch eine Powerpoint-Präsentation, vom Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen, um anschließend zur Kindheit von Hans und Sophie Scholl überzugehen. Auch über deren anfängliche Begeisterung für die Hitlerjugend und die Gründe für ein allmählich entstehendes Unrechtsbewusstsein und den Entschluss zum Widerstand wurde gesprochen.  Es folgten weitere Informationen zum Leben und vor allem auch zum Tod von Hans und Sophie Scholl. Eifrig bearbeiteten die Sechstklässler nach der Präsentation ein Arbeitsblatt, auf dem die vielen neuen Erkenntnisse festgehalten werden konnten. Im Anschluss daran führte ein von zwei Achtklässlern selbst gedrehter Film nochmals die letzten Stationen im Leben der Geschwister Scholl gleichsam aus deren eigener Sicht vor Augen.  In einer Feedback-Runde durfte sich die 6a schließlich zu dem Unterrichtsprojekt äußern, das von allen als sehr gelungen bewertet wurde: „Wir haben noch viel Neues gelernt.“ Besonders beeindruckt waren die Schüler aber von den Namensgebern ihres Gymnasiums. Der von einer Schülerin geäußerte Wunsch „Ich würde sie gern treffen“  muss allerdings unerfüllt bleiben.

 

 

DIE STEINE SPRECHEN LASSEN

 

In Form von Inschriften, Mosaiken und einer Statue wird in unserem Schulhaus, das einst von der jungen Sophie besucht worden war, an mehreren Stellen der Geschwister Scholl, aber auch der anderen Mitglieder der Weißen Rose gedacht. Während man im Alltag jedoch meist gedankenlos daran vorbeihastet und auch die Infotafeln im Gebäude unbeachtet lässt, wurden sie im Februar 2018 durch Plakate mit Zitaten und Flugblätter der Widerstandsgruppe ergänzt und ganz gezielt in den Blick genommen. Immer wieder traf man in den Gängen und Treppenhäusern auf Schülergruppen aller Stufen, die sich konzentriert und nachdenklich verschiedenen Arbeitsaufträgen zur Weißen Rose widmeten. So wurden beispielsweise die Portraits der Geschwister skizziert, Gedanken zu ihrem Leben und Wirken aufgeschrieben und aussagekräftige Zitate gesammelt. Sehr oft wurden der Appell Beweist durch Tat, dass ihr anders denkt und die Feststellung Das Gesetz ändert sich, das Gewissen nicht festgehalten.

 

 

DEM GEDENKEN AUSDRUCK VERLEIHEN

 

»Wir danken euch für eure Taten, mit denen ihr einen Unterschied gemacht habt.« (Eintrag im Gedenkbuch)

 

Weiße Rosen -  in Vasen, vor brennenden Kerzen, neben dem Gedenkbuch, auf Treppenstufen und an Pullover angesteckt. Niemand sollte übersehen, dass der 22. Februar ein ganz besonderer Tag für das Hans und Sophie Scholl-Gymnasium  ist, und jeder sollte die Gelegenheit haben, auf seine Weise der Namensgeber unserer Schule zu gedenken. Schon von Weitem waren die Zitate aus den Flugblättern der Weißen Rose in den Fenstern des Schulgebäudes erkennbar. Im Schulhof begrüßte ein großflächiges Banner der Arbeitsgemeinschaft Fotografie die Schüler: Eine große Rose mit eingearbeiteten Bildern von Hans und Sophie Scholl vor dem Hintergrund unzähliger Schüler- und Lehrerfotos setzt ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir das Geschwisterpaar nicht nur in unserem Schulnamen führen, sondern in Erinnerung an seine Haltung und Zivilcourage versuchen wollen, die Werte der Weißen Rose immer wieder aufs Neue mit Leben zu füllen.  Wofür Hans und Sophie Scholl stehen, riefen Schüler der Kleinen Theater-AG in den Pausen durch Vorträge aus den Flugblättern und ein Nachspielen der Gerichtsverhandlung nochmals eindringlich ins Bewusstsein:  Wir schweigen nicht, wir sind euer böses Gewissen. Die Einträge im Gedenkbuch zeigen, dass die Botschaft der Weiße Rose weiterhin Gehör findet.

 

WEISSE ROSEN IN DER LINIE 1 

 

 „Wir sind Schüler und Schülerinnen des Hans und Sophie Scholl-Gymnasiums. Heute vor 75 Jahren wurden die Namensgeber unserer Schule und ihr Freund Christoph Probst, ein weiteres Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, wegen ihrer Flugblätter gegen das nationalsozialistische Regime hingerichtet. Mit unserer Aktion wollen wir ihrer gedenken und sie wegen ihres Mutes und ihrer Überzeugung ehren. Deshalb haben wir diese weiße Rose für Sie gebastelt und wollen sie Ihnen zusammen mit einem Zitat aus den Flugblättern schenken. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“

 

So oder so ähnlich stellten sich die Fünftklässler in der Hans Scholl-Straßenbahn der Linie 1 nach Söflingen am Morgen des 22. Februar 2018 den anderen Fahrgästen vor. Zuvor war geübt worden, wie man höflich an die Mitfahrenden herantritt und was man tun kann, wenn Leute die Rose ablehnen oder sich wegdrehen, was aber nur selten vorkam.

Die meisten hörten den Schülerinnen und Schülern aufmerksam zu und lasen mit Interesse das an ihrer Rose befestigte Zitat. Viele zeigten sich neugierig und wollten mehr zu dem Aktionstag wissen, manche fragten gar nach der Bastelanleitung für die aus einem quadratischen Stück weißen Papiers gefertigten Rosen. Eine Frau erzählte: „Ich habe diese schreckliche Zeit selber miterlebt!“, eine andere, sie bewundere den Mut der Weißen Rose. Dass sich so viele junge Menschen noch für das Schicksal der jungen Widerstandskämpfer interessieren und sich mit deren Geschichte beschäftigen, fanden viele Fahrgäste bemerkenswert.

Bei Fragen wandten sich die Mitfahrenden an die begleitenden Lehrkräfte, die gerne Auskunft gaben. Der überwiegend positive Zuspruch, den die Kinder und ihre Lehrer erfuhren, war eine ganz besondere Erfahrung. Beim Nachgespräch im Klassenzimmer waren sich alle einig, dass trotz einer gewissen anfänglichen Scheu das Verteilen der Rosen nicht nur Spaß gemacht, sondern auch zum Nachdenken angeregt habe. Die übrigen Rosen durften mit nach Hause genommen werden.

 

INFO

 

Hans und Sophie Scholl (geb. am 22. September 1918 bzw. 9. Mai 1921) lebten in ihrer Jugend mehrere Jahre in Ulm, wo Sophie die Mädchenoberrealschule (heutiges Scholl-Gymnasium) besuchte. Gegen den Willen ihrer christlich geprägten Eltern traten zunächst beide in die Hitlerjugend ein. Bestürzt durch die Greueltaten der Nazis, die auch vor befreundeten Juden nicht Halt machten, gründeten Hans Scholl und Alexander Schmorell im Juni 1942 die Widerstandsgruppe Weiße Rose, der sich auch Sophie und weitere Gleichgesinnte anschlossen. Am 18. Februar 1943 wurde ihnen eine Flugblattaktion an der Universität München, wo die Geschwister inzwischen studierten, zum Verhängnis. Sie wurden gefasst und bereits vier Tage später in einem Scheinprozess wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Es lebe die Freiheit waren die letzten Worte von Hans. Sie wurde ihm und seinen Mitstreitern der Weißen Rose nicht mehr zuteil.

 

 Klasse 8a, Hans und Sophie Scholl-Gymnasium

 

 

 

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