Alle Jahre wieder - Leuchtende Augen beim Adventstee
Es ist kalt und Nebel zieht von der Donau herüber. Mit ihm verschwindet fast alles in einem trüben Grau, das von Minute zu Minute dunkler wird, denn auch die Dämmerung setzt bereits merklich ein an diesem Winterabend. Doch einige Lichter am Scholl-Gymnasium brennen noch – und wenn man ganz genau hinschaut, dann sind auch viele Kerzen dabei, welche die Schulcafeteria der Schule in ein wohlig warmes Licht tauchen. Zu diesem strömen an diesem 5. Dezember viele ehemalige Lehrerinnen und Lehrer, um sich sich bei Kaffee, Tee, Plätzchen und Kuchen beim alljährlichen Adventstee mit ihren ehemaligen und den heutigen Kollegen auszutauschen.
Zu dritt machen auch wir uns, ausgestattet mit Kameras, Block und Stift, auf dem Weg zum Kaffeeklatsch.
Die Senioren, von denen uns nur sehr wenige aus unserer bisherigen Schulzeit noch bekannt sind, begrüßen uns mit einem herzlichen Lächeln. Uns fällt ein Stein vom Herzen, dachten wir doch, dass der Start in eine Unterhaltung doch deutlich schwieriger wäre. Die adventliche Atmosphäre schwappt aber auch auf uns über und wir beginnen zu fragen...
Die 92-jährige Johanna Völter erzählt uns von ihrer Zeit als Schülerin an der Mädchenschule. Sie besuchte die Schule von 1934 bis 1942 und lernte dabei Hans und Sophie Scholl privat kennen. Wir haben unsere vorgefertigten Fragen vergessen und hören nur noch zu. Selbst unterrichtete sie dann 24 Jahre am Scholl als Lehrerin Mädchensport und leitete die Arbeitsgemeinschaften Kochen und Handarbeiten. „Bereits seit 30 Jahren bin ich nun im Ruhestand“, fügt sie an, und wir sind beinahe sprachlos, dass alleine diese Zeit etwa doppelt so lange ist, wie wir alt sind.
Dann unterhalten wir uns mit Hans-Ulrich Schäfer, der vor Brigitte Böhm Schulleiter des Scholl-Gymnasiums war und die Fächer Geschichte, Englisch und Sport unterrichtete. Das letzte Fach habe ihm am meisten Spaß gemacht, erzählt er uns. „Mir war der Kontakt mit den Schülern sehr wichtig“, erinnert er sich, „auffallend für mich ist, dass die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schülern in der heutigen Zeit erfreulicherweise immer besser zu werden scheint.“ Wir sprechen mit ihm über das Schulhaus, das er bis in den letzten Winkel kennt, die baulichen Veränderungen am Gebäude in den letzten Jahren und auch über seine eigene Kindheit. Seine Augen leuchten, als er uns von den alltäglichen Gewohnheiten aus seiner Jugendzeit erzählt. Und irgendwie haben wir den Eindruck, als wäre diese noch gar nicht so lange her.
Natürlich dürfen auch wir uns am Kuchenbuffet bedienen. Der Personalrat des Gymnasiums hat dafür gesorgt, dass genügend Leckereien aufgetischt wurden. Beinahe hätten wir das vergessen. Und während wir einen Tee trinken und in die Runde mit all den lachenden Gesichtern blicken, stellt sich für uns nicht mehr die Frage, weshalb der Raum auch in diesem Jahr so gut gefüllt ist. „Als ich die Schule betrat, kam mir alles so vertraut vor“, hatte Hans-Ulrich Schäfer eben noch zu uns gesagt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es die Ehemaligen immer wieder an das Scholl-Gymnasium zurück zieht.
Devleta Zakomac 5b, Emilija Kastratovic 10a, Dinora Pereira KS1 PAG/FAG